Theaterstück „Das Drehorgelspiel“

Ein kurzübergreifendes Theaterprojekt zum 50. Jubiläum der Schauspielschule

Schauspielschule feiert 50. Geburtstag mit „Das Drehorgelspiel“

 

Zum großen Jubiläum ist derzeit ein besonderes Stationen-Drama zu sehen, das das Leben und die Vergangenheit auf besondere Weise in den Mittelpunkt stellt. Wir haben die Premiere besucht.

 

 

07.05.2022, 15:06 Uhr

 

Lübeck. Wenn ein Mensch älter wird, ist es immer schwieriger, in den Spiegel zu schauen und sich – und sein Leben – zu erkennen. Es stellt sich dann die Frage „Was wäre, wenn?“, die eigentlich müßig ist, aber dennoch interessant bleibt.

Martina Nowatzyk hat aus diesem Stoff ein Stationen-Drama namens „Das Drehorgelspiel“ gemacht, das von Reiner Lorenz und Uli Sandau zum 50-jährigen Bestehen der Schauspielschule der Gemeinnützigen am Freitag mit großem Erfolg uraufgeführt wurde.

Wiedersehen nach 30 Jahren

 

Das Drama, bei dem auch aus vollem Herzen gelacht werden konnte, begann im Theaterhaus in der Königstraße, in dem Reiner Lorenz und Uli Sandau viele Jahre lang ihr Theater Partout betrieben und an der Schauspielschule unterrichtet haben. Ein bekanntes Szenario: Nach 30 Jahren trifft sich eine Clique wieder, die einst zusammen zur Schule gegangen ist.

 

Mit dabei ist Sandra, die als Reiseleiterin in die weite Welt zog und fast alle Brücken hinter sich abbrach. Im Gespräch mit ihren alten Freunden kommen ihr zunehmend Zweifel, ob ihre Entscheidung richtig war. Als dann noch ihre ehemalige große Liebe Bernd auftaucht und nichts mehr mit ihr zu tun haben will, wird Sandra vollends unsicher. Und dann erscheint die seltsame Frau mit der Drehorgel, die eine wundersame Melodie spielt.

Das Drama, hier Nafas Kalaman (l.) und Andrea Schwarz, wird an verschiedenen Stationen aufgeführt.

 

Man kann diesen ersten Akt Introduktion oder Rahmenhandlung nennen, die Positionen sind auf jeden Fall geklärt. Im zweiten Akt, der im leer stehenden Marli-Café gespielt wird, wird die Handlung gespiegelt im Verhalten junger Leute, die gerade mit der Schule fertig geworden sind. Die Probleme sind die gleichen, auch hier verlässt eine Sandra einen Bernd, um in die Welt zu ziehen.

Im dritten Akt, gespielt im Bildersaal der Gemeinnützigen, wird das Reich der Fantasie zum Gegenstand, hier eröffnet sich das Archiv der ungelebten Möglichkeiten.

 

Hochpoetisches Stück

 

Martina Nowatzyk hat ein hochpoetisches Stück geschrieben, das nach vielen durch die Pandemie bedingten Hindernissen jetzt endlich auf die Bühne gekommen ist. Reiner Lorenz und Uli Sandau haben das Drama, das eigentlich ja uns alle betrifft, sensibel auf die Bühne gebracht. Die Eleven der Schauspielschule, von Kindern bis zu Akteuren im fortgeschrittenen Alter, spielten temperamentvoll und diszipliniert zugleich. Herausragend Tanja Hildebrandt als heutige Sandra und Andrea Schwarz als Drehorgelspielerin, die Qualität der Ausbildung an der Schauspielschule der Gemeinnützigen ist offensichtlich hoch.

Dieser Blick in den Spiegel ist sehens- und hörenswert, denn auch die gesanglichen Leistungen sind groß. Ein poetisches, philosophisches und zugleich ein wehmütiges Spiel über die Vergangenheit, die sich nicht mehr wirklich ändern lässt – manch einer im Publikum wird sich an die eigene Jugend erinnert haben. Eine wunderbare Darstellung der Erkenntnis, die alle betrifft, wann auch immer sie verinnerlicht wird.

Und vor allem ein würdiger Beitrag zum Jubiläum der Schauspielschule.

 

Quelle:

https://www.ln-online.de/kultur/regional/schauspielschule-feiert-50-geburtstag-mit-das-drehorgelspiel-5WH4RWRUKM4IX7POHVGWB2NMXI.html 

Theaterstück „Der Tee ist fertig“

Eine herausfordernde Schauspielschul-Premiere!

Während des Lockdowns haben drei Teilnehmerinnen des Erwachsenenkurses gemeinsam mit Dozent Reiner Lorenz die Zeit genutzt, um per Zoom-Konferenzen den Text zu ihrer spannenden Kursproduktion „Der Tee ist fertig“ bis ins Detail vorzubereiten. Ziel war es, das Stück dann möglichst schnell auf die Bühne zu bringen, sobald es die Umstände erlauben. Im Februar war es dann so weit und das zahlreiche Publikum konnte eine sehr spannende und intensive Produktion erleben.                                                                                                                        

 Abgebildet wird das Psychogramm einer Gesellschaft, in der die Gesetzmäßigkeit gilt: Ich da oben, ihr da unten. Drei Frauen in Abhängigkeit miteinander verwoben, hier die Hausherrin, dort ihre Angestellten. Hier die gönnerhafte Hand, dort die devote Dankbarkeit. Oberschicht contra Unterschicht. Wobei das Wort Unterschicht in diesem Stück eine ganz besondere Bedeutung bekommt, denn unter der Schicht brodelt es, da wird der Wunsch wach, sich aus dem Angestelltenstand zu erheben und aus der Herrin die Sklavin zu machen. Und was anfangs wie ein Spiel beginnt, nimmt immer drastischere Formen an, denn die Spielerinnen sind bereit, Grenzen zu durchbrechen und bis zum Äußersten zu gehen. Am Ende dieses unnachgiebigen Spiels ist der Tee fertig gebrüht. Aber schon ein einziger Schluck könnte fatale Folgen haben…

Dieses psychologische Kammerspiel war für die drei Darstellerinnen Karen Marx, Marlis Reischuk und Stephanie Werner eine große emotionale und schauspielerische Herausforderung, die alle mit Bravour gemeistert haben. So konnte der Zuschauer eine sehr dicht gewobene Inszenierung erleben, die dank der klugen Personenführung durch Reiner Lorenz eine besondere Intensität erfuhr und mit viel Applaus belohnt wurde. Das i-Tüpfelchen dieser Kursarbeit war die musikalische Livebegleitung durch Katharina Hinz, die derzeit ihr freiwilliges kulturelles Jahr in der Schauspielschule der GEMEINNÜTZIGEN absolviert. Ihr gekonntes Klavierspiel, ihre solistische Fertigkeit konnte die Atmosphäre des Stückes noch einmal verstärken, man würde sich wünschen, öfter solch eindrucksvolle Verbindung von Livemusik und Schauspiel auf der Bühne des Theaterhauses zu erleben. Allen Beteiligten gebührt großer Dank, dass sie sich monatelang in die Psyche der Protagonisten eingearbeitet und eingelebt und diese dann gekonnt zum Bühnenleben erweckt haben! 

Text: Schauspielschule der GMEINNÜTZIGEN

Theaterstück ,,Die neuen Bremer Stadtmusikanten”

Präsentiert von den Kindern des Schauspielkurses der 7-12 Jährigen!

Ein gelungener Auftakt für die Theaterkids!

Im Dezember 2021 war es endlich so weit für die Kinder des Schauspielkurses der 7-12 Jährigen. Nach langen Proben und viel Liebe zum Detail fand am 03. Dezember die Premiere des Kinderstückes ,,Die neuen Bremer Stadtmusikanten” in der Schauspielschule der Gemeinnützigen statt.

Unter der Leitung von Anika Frankenberg brachten die neun jungen Schauspielerinnen den alten Klassiker wieder auf die Bühne. Das Theaterstück bekam durch eine neue und einzigartige Interpretation der einzelnen Figuren eine Nuance von Witz, Spannung und Aktualität. Das Einsetzen von Musikklassikern wie ,,The Pink-Panther” für das Anschleichen der Räuberinnen in das Räuberhaus, ,,Memorys” aus dem Musical ,,Cats” für das trostlose Kätzchen, das ihre Zähne durch einen zu hohen Süßigkeitenkonsum verloren hat, sowie der Madagascar-Hit ,,I like to move move it” für den dramatischen Auftritt der drei Räuberinnen zauberte eine neue Gruppe von Bremerstadtmusikanten. Besonders originell war die Figur des Esels, der aus einem sprechenden Eselkopf und Eselhinterteil bestand. Beide Eselkörperteile leiden an Narkeselepsie und schliefen dehalb immer und überall ein. Diese Idee entwickelte sich während der letzten Theaterproben, aufgrund von zwei neuen Kursteilnehmerinnen, die aus einem jüngeren Schauspielkurs dazu kamen. Nun war die Gruppe vollständig und der Premiere stand nichts mehr im Wege. Ein weiteres Highlight war die Erzählerin des Stückes: Mit blinkendem Hut, Strassstein-Jacke und Mikrofon las eine Schauspielerin aus ihrem Märchenbuch die Geschichte vor und führte die ganze Gruppe an. Ein Hahn der auf den Kopf gefallen ist und deshalb in allen Sprachen außer Deutsch lauthals krähte, sowie ein Hund, der immer zu laut HipHop-Musik hörte und nun fast taub ist, ergänzten die neuen Bremerstadtmusikanten perfekt.

Die eingespielte Gruppe hat eine sensationelle Vorstellung an den Tag gelegt und bewiesen, dass Zusammenhalt und Freundschaft gegen jede Gefahr ankommt. Wir freuen uns auf die nächsten Premieren der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenkurse der Schauspielschule der Gemeinnützigen.

Laura Katharina Hinz

Theaterstück "Uschis Eck"

Schauspielschul-Premiere mit Kampfgeist! - Premiere am 13. November 2021

Nach der langen Corona-Zwangspause konnte die Schauspielschule der GEMEINNÜTZIGEN im November endlich ihre erste erfolgreiche Premiere feiern: Uschis Eck – ein Theaterstück über Macht und Geldgier, über Spekulantentum um Zivilcourage.

9 Schauspieler*innen zwischen 45 und 75 Jahren zeigten mit großem Engagement ein selbstverfasstes Stück, dass für viel Applaus und Anerkennung sorgte. Bedingt durch Krankheit der Hauptdarstellerin der Uschi sprang  Kursleiter Uli Sandau kurzfristig ein und machte aus Uschi den Rudi, um die Premiere zu retten. Und sowohl Premiere und Kiosk wurden gerettet, der freudige Schlachtruf aller Mitwirkenden nach der Premiere lautete: Das Stück, das ist geglückt, die Gruppe hat gesiegt!

Ein Novum im Theaterhaus der GEMEINNÜTZIGEN, dass erstmals vier Vorstellungen gezeigt werden konnten, während in den zurückliegenden Jahren in der Regel lediglich Raum für zwei Vorstellungen auf der ausgelasteten Partout-Bühne war. Alle Protagonist*innen konnten sich von Abend zu Abend steigern und sorgten mit ihrem intensiven Spiel, mit ihrer Liebe zum Detail ihrer Figur und ihrer großen Theaterleidenschaft für eine hintergründige Unterhaltungsgeschichte. Uschis Eck soll einem Spa-Hotel zum Opfer fallen, einem Millionenobjekt, da spielt das angrenzende Landschaftsschutzgebiet Buchholz keine Rolle, zumal das Frankfurter Baukonsortium mit dem Bürgermeister unter einer Decke steckt. Doch man hat die Rechnung ohne die eingeschworenen Kioskgemeinschaft gemacht, vor allem ohne den Eichenbockkäfer, der in der einzigen Eiche neben dem Kiosk lebt und als schützenswertes Exemplar ungeahnten Kampfgeist entwickelt. Schon die Verkörperung dieses Käfers auf der Bühne sorgte für originelle Szenen und viele Lacher.  Zudem lobten etliche Zuschauer besonders die ideale Besetzung aller Rollen und das qualitätsvolle geschlossene Ensemblespiel, das in dem Zwei-Stunden-Stück durchweg überzeugen konnte - ein Lob, über das sich Kursleiter Sandau besonders freute.

Eine gelungene erste Premiere im Theaterhaus der GEMEINNÜTZIGEN, bis zum Sommer 2022 sollen etliche Premieren der Kinder-, der Jugend- und Erwachsenkurse folgen, man darf sich darauf freuen!

Uli Sandau