Theaterstück "Blühende Landschaften" - Präsentiert vom Kurs der Erwachsenen

Spekulantentum und Klebeblumen

„Blühende Landschaften“ - die zweite erfolgreiche Schauspielschul-Premiere zu Beginn des Jahres!                                                                                                    

 Ost-Immobilien werden von West-Investoren billig aufgekauft, erschwinglicher Mietraum wird abgerissen, um teuren Eigentumswohnungen oder Bürotürmen Platz zu machen. In einem dieser Ostberliner Mietshäuser leben 6 Parteien. Als sie ein Schreiben bekommen, dass die alten Rohre inspiziert werden sollen, ahnen sie nichts Böses. Genau so wenig wie wir als Zuschauer. Wir dürfen eine Szene lang einen kurzen Lebensausschnitt der Bewohner:innen kennenlernen. 

Das macht großen Spaß, denn so unterschiedlich die Menschen in diesem Mietshaus und ihre Lebensentwürfe auch sind, so eint sie alle das intensive Bühnenspiel! Einsamkeit (M. Paulsen) und resignierte Entmutigung (E. Kümmel) auf der einen Seite, auf der anderen Seite das Sich-Arrangieren mit den Verhältnissen, um als Künstler zu überleben (H. Kohnert/M. Kamali), um eine Familie zu gründen (L. Rupp/Y. Moison) oder seine fotographische (D. Bibo-Inhülsen) oder religiöse Leidenschaft (G. Riemann) zu pflegen. Es entsteht spannendes, anrührendes und komödiantisches Theater, das den 9 Kursteilnehmer:innen zu verdanken ist, die mit viel Einsatzfreude, mit genauer Typenzeichnung und großer Glaubwürdigkeit überzeugen können. Da stets alle Akteure auf der Bühne sind, kann deren Zusammenspiel besonders gut beobachtet werden, immer neu entwickeln sich aus der Gruppe heraus intensive 2er- oder 3er-Szenen. Was wie eine lockere Szenenfolge wirkt, bekommt durch die Figur des Rohrkontrolleurs (T. Hildebrandt), überzeugend gezeichnet als schräg-schrullige Type mit großem Herzen, eine Verbindung, die dann schließlich durch die Figur der aalglatten Investorin (G. Riemann) ihren Höhepunkt findet. Nun wird deutlich, dass alles ein abgekartetes Spiel war, dass es nie darum ging, den Altbau auf Schäden hin zu inspizieren, sondern Schäden zu (er-)finden, um das Haus abreißen zu können.   

Eine beachtliche Leistung des Dienstag-Kurses unter Leitung von Uli Sandau. Das Publikum an den drei Abenden war begeistert.

Wenn dann zum Schluss die 70-jährige Mieterin Hartmann überall auf der Bühne bunte Blumen anklebt, wenn Exbundeskanzler Kohl von blühenden Landschaften spricht, dann ist das ein poetischer und nachdenklicher Schlusspunkt zugleich. Und die Zuschauer werden mit der Frage entlassen: Wie sehen sie aus, die wahren Blüten gut 35 Jahre nach der Wiedervereinigung. Leuchten sie farbig oder mischen sich immer mehr Brauntöne darunter? Spannendes Theater der Schauspielschule, das zu Nachdenken anregt! 

Text: Schauspielschule der Gemeinnützigen